
Bericht über den Vortrag von Dr. Fackeldey am 29.10.2008
Um ein kleines Organ mit großem Einfluss auf Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit ging es am 29. Oktober 2008 in der Klinik Kitzinger Land. Dr. Volker Fackeldey, seit April Chefarzt für Chirurgie / Viszeralchirurgie, beantwortete die Frage „Die vergrößerte Schilddrüse — wann ist eine Operation notwendig?". 100 Interessierte verfolgten im Gemeinschaftsraum den ersten Vortrag im Herbst- /Winterprogramm in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kitzingen.
Die gesunde Schilddrüse hat ein Volumen von bis zu 18 ml bei Frauen und bis zu 22 ml bei Männern und ist von außen nicht zu sehen. Wie der Referent anhand anatomischer Darstellungen zeigte, besteht sie aus zwei Lappen, die durch einen schmalen Streifen (Isthmus) verbunden sind. Das Organ liegt schildartig unterhalb des Kehlkopfs vor der Luftröhre, die es mit beiden Lappen umgreift.
Die Schilddrüse hat hauptsächlich die Aufgabe, den Organismus mit Hormonen zu versorgen, die den Energiestoffwechsel regulieren. Wichtigster Bestandteil ist Jod, das von außen zugeführt werden muss. Störungen wie Über- oder Unterfunktion sind mit erheblichen Beschwerden verbunden.
Von einer Struma (Kropf) spricht man, wenn die Schilddrüse vergrößert ist. Dr. Fackeldey betonte ausdrücklich, dass eine Vergrößerung verschiedene Ursachen haben kann und noch nichts über die Struktur und die Funktion des Organs aussagt. Es kann eine Unter- oder eine Überfunktion, genauso gut aber auch eine Normalfunktion vorliegen.
In bis zu 90 % der Fälle führt ein ernährungsbedingter Jodmangel zur Vergrößerung der Schilddrüse. Dabei — so der Arzt — gibt es ein Süd-Nord-Gefälle, weshalb durch Jodmangel bedingte Strumen in Bayern viel häufiger als in nördlichen Gebieten Deutschlands vorkommen. Als weitere, wenn auch weniger häufige Ursachen für eine Vergrößerung der Schilddrüse nannte Dr. Fackeldey Entzündungen wie bei Autoimmunerkrankungen sowie gutartige und — seltener — bösartige Neubildungen (Schilddrüsenkrebs).
Um festzustellen, ob und welche Art einer Schilddrüsenerkrankung vorliegt und ob sich Knoten im Gewebe gebildet haben, kommen neben dem Abtasten des Halses die Bestimmung der Schilddrüsenhormone und von Antikörpern im Blut und eine Ultraschalluntersuchung in Frage. Bei Knoten und Funktionsstörungen wird zur weiteren Diagnostik die Szintigraphie eingesetzt. Dieses Verfahren der Nuklearmedizin macht in den Körper eingebrachte, radioaktiv markierte Stoffe in der Schilddrüse sichtbar.
Wie der Chirurg feststellte, erfordert nicht jede Erkrankung der Schilddrüse eine Operation. Wird rechtzeitig mit Medikamenten behandelt, ist der Eingriff vermeidbar. Zu einer Operation rät Dr. Fackeldey immer dann, wenn die Schilddrüse so groß ist, dass sie auf die Luftröhre drückt und Schluckstörungen, Atembeschwerden sowie Heiserkeit verursacht. Eine Indikation für den operativen Eingriff liegt auch vor, wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreicht, wenn Knoten wachsen oder der Verdacht auf Krebs besteht.
Ausführlich und mit zahlreichen Bildern erläuterte Dr. Fackeldey den Verlauf einer Operation und ging auf die möglichen, aber geringen Risiken ein. Zu diesen Risiken gehört die Lähmung der Stimmbandnerven. Um sie zu vermeiden, gehört in Kitzingen zu jeder Operation ein sogenanntes Neuromonitoring, bei dem während des Eingriffs laufend die Funktion der Stimmbandnerven geprüft wird. Das geschieht mittels Elektroden, die am Beatmungstubus befestigt sind. Diese besonders schonende Methode steht dem Arzt seit Sommer durch die Ersatzbeschaffung eines Geräts für das Neuromonitoring zur Verfügung.
Dr. Fackeldey gab an, dass im Jahr 110.000 Schilddrüsenoperationen in Deutschland durchgeführt werden, davon etwa 4.000 wegen Krebs. Bei der Zahl der Eingriffe wegen Vergrößerung durch Jodmangel rechnet er mit einer rückläufigen Tendenz, weil die Versorgung der Bevölkerung mit Jod durch jodiertes Speisesalz immer besser geworden ist. Bei Schilddrüsenkrebs dagegen wird weltweit ein Anstieg beobachtet. Dennoch konnte er Hoffnung machen. Denn wenn die Schilddrüse und die regionalen Lymphknoten durch die Operation vollständig entfernt werden, und eine Radiojodtherapie folgt, besteht in der Regel eine sehr gute Aussicht auf Heilung."
Bilder: André Hain, Klinik Kitzinger Land
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